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2006er Visan Cuvée Les Antonins - AoC Cotes du Rhone Villages

Frankreichs viel versprechende junge Winzergeneration: Yves Peréz ist der typische Winzer der äußerst erfreulichen jungen Generation in Frankreich: Gerade die Top-Ausbildung an der äußerst renommierten Weinuniversität von Montpellier abgeschlossen (mit Praktika u.a. im Burgund) und inzwischen frisch verheiratet mit Cécile, Tochter von Piérre Varénne von der Domaine du Grand Bourjassot (ebenfalls perfekt ausgebildete Önologin und Schöpferin hinter dem genialen Gigondas Cuvée Cécile), bemerkte er sofort das nahezu unerschöpfliche Potential der elterlichen Weinberge. Er "luchste" seinem Vater, einem Genossenschaftswinzer, fünf Hektar der besten und ältesten Parzellen mit dem Versprechen ab, daraus innerhalb von sieben Jahren ein erfolgreiches Weingut zu machen: Durchschnittlich 60 Jahre alte Grenache Noir mit einem kleinen Anteil (10%) ebenso alter Syrah. Sie stehen bei Visan, einem malerischen provenzalischen Winzerdorf am nördlichen Rand des Anbaugebietes Südliche Rhone. Magere Kalk-Lehm-Böden in 300-350 Metern Höhe. Kühles Mikroklima in einer heißen Zone mit kalten Nächten und heißen Tagen und starker Windexposition (da fegt der Mistral gnadenlos drüber!). Das momentane Erfolgsrezept im Süden, zumal im Angesicht der globalen Klimaerwärmung.

Der Jahrgang 2006: Nach dem großen, extrem konzentrierten 2005er Jahrgang mit seinen kaum zu bändigen Gerbstoffen, ist der 2006er viel fruchtiger, duftiger und subtiler ausgefallen bei vergleichbarer Konsistenz und Mineralität. Mit seiner Spitzencuvée "Les Antonins", einer Art Auslese von den ältesten Rebstöcken, hat sich Jean-Yves aus dem Stand in die "Stratosphäre" der wahrlich nicht kleinen Winzerelite Südfrankreichs eingereiht.

Farbe: Ungemein gedecktes, herrliches Schwarzkirsch-Rot mit noch jugendlichen violetten Reflexen und tiefschwarzem Kern, nahezu undurchsichtig. Eine echte Augenweide und visualisierte Wildheit eines nur zurückhaltend gezähmten Kraftprotzes von Naturwein!

Duft: Viel offener und fruchtiger als der sehr "maskuline" und verschlossene 2005er. Mächtige Schwarzkirschen, Kirschwasser, geröstete provenzalische Kräuter mit Teer und Schwarztee. Dazu Alte-Reben-Mineralität mit dezenter Graphitnote (riecht wie der Griffel für kleine Schiefertafeln). Erst mit intensiver Belüftung (mind. 2 Stunden im Dekanter!) kommen Cassislikör, eine Spur Tabak (kleiner Anteil neuer Fässer), Räucherspeck und Bitterschokolade mit Walderdbeeren. Dahinter immer wieder eine ätherische und sehr kühle Mineralität der alten Reben und des "strengen" Terroirs. Geheimnisvoll dunkelwürziges, ungemein reintöniges Bukett eines noch unterentwickelten Klasseweines, dem man die Prägung des Weinberges belassen hat (Spontangärung mit wilden Hefen, keine Schönung, keine Filtration, daher viel Depot in der Flasche!).

Geschmack: Sehr dicht, straff, kompakt und opulent, dabei aber viel saftiger und "weicher" als der schon derbe 2005er. Durchzogen von kernigem, aber hochreifem Gerbstoff. Überragende Extraktsüße und Stoffigkeit, zugleich aber von fast feminin anmutender Feinheit. Vollfruchtig (v.a. Kirsche und Blaubeere), saftig-beerig und zugleich sehr mineralisch mit Anklängen von Teeblättern, Oliventapenade, Teer und salzigem Erwachsenenlakritz. Insgesamt ziemlich körperreich und konzentriert, ausgestattet mit großzügigem Alkoholgehalt (14,5 %), einem beeindruckend vollen, zudem extrem sauberen Mundgefühl und einem langen, herb-süßen Abgang. Insoweit ein typischer Grenache Vieilles Vignes von der Rhone, dabei aber kein hitzig alkoholischer "Blockbuster" eher moderner Machart, sondern bei aller Kraft geprägt von kühler Finesse und der kernigen Materie eines kühlen Mikroklimas und eines gnadenlos mageren, dafür aber hochgradig mineralstoffhaltigen Bodens. Herkunftstypizität und Terroir-Prägung in Reinkultur! Animiert ungemein zu Weitertrinken, macht überhaupt nicht satt, ist nicht überextrahiert und glänzt mit vorbildlich eingebundenem Alkohol.

Gesamteindruck: Nicht das "Biest" wie der 2005er, aber auch kein Wein für Weintrinker, die auf die Gradlinigkeit, Fruchtigkeit und Einfachheit ("easy drinking") modernen Standartkonsumes Wert legen. Vielmehr ein kernig saftiger Kraftwein zum Essen, kein "schmusiger" Solist für unkomplizierten Konsum vor dem Kamin. Ein Wein also für geübte Rotweinkenner, die kernigen Gerbstoff und salzige Mineralität als ganz natürliche "Seele" unverfälschter Weinbergsresulate begreifen. Zudem stilistisch eine ungemein preiswerte Alternative zu radikal traditionellem "Old-School" Chateauneuf-du-Pape!

Speiseempfehlung: Traditionelle und möglichst rustikale provenzalische Küche wie Rinderschmorbraten oder geschmorte Wildgerichte sowie Fleischeintöpfe, genial auch zu Rindsrouladen mit Makronen-Rotkraut.

Domaine de l´Obrieu 2006er Visan Cuvée Les Antonins -  AoC Cotes du Rhone Villages, ZOOM durch Klick Preis: 11,90 €
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